Fragen und Antworten zur Wahl des färöischen Parlaments (Løgting) 2011

Wahl zum färöischen Parlament Løgting 2011

Wahl zum färöischen Parlament Løgting 2011 - © Meginfelag Føroyskra Studenta

TÓRSHAVN – Vor etwas mehr als zwei Wochen haben die Bewohner der Färöer-Inseln ihr Parlament, den Løgting, auf vier Jahre neu gewählt. Eine Wahl war bereits vorzeitig notwendig geworden, weil nach dem Ausstieg der Fólkaflokkurin aus der Regierung seit März 2011 nur noch eine ziemlich instabile Minderheitsregierung aus Sambandsflokkurin und Javnaðarflokkurin regierte, die von der Partei Tjóðveldi toleriert wurde. Im Folgenden ein paar interessante Hintergrundinformationen zum Wahlergebnis:

Ein historischer Sieg für die Sambandsflokkurin?
Ja, auch wenn geringer als prognostiziert. Der Sieg der Partei ist jedoch umso höher zu bewerten, da die Sambandsflokkurin bereits die vorherige Regierung anführte. Auf den Färöern haben normalerweise diejenigen Parteien, die vor der Wahl den Premierminister stellten, in fast allen der siebzehn Wahlen seit dem Autonomiestatut 1948 Federn lassen müssen. Noch nie hat die Partei, die den Premierminister stellt, bisher sowohl an Stimmen als auch an Sitzen zulegen können. Beides hat die Sambandsflokkurin nun geschafft. Außerdem ist die Wahl ein persönliches Erfolgserlebnis und ein großer Vertrauensbeweis für den alten und neuen Premierminister Kaj Leo Jóhannesen, der mit 1.979 Stimmen so viele Stimmen bei einer Parlamentswahl erhalten hat wie noch kein Färinger vor ihm.

Ein Rechtsruck in der färöischen Politik?
Ja. Die Parteien rechts von der Mitte haben die Wahl klar gewonnen, sowohl die bürgerlichen Unionisten, die Sambandsflokkurin, als auch die bürgerliche Loslösungspartei, die Fólkaflokkurin. Zudem ist mit Framsókn eine weitere bürgerliche Kraft ins färöische Parlament eingezogen. Auf der anderen Seite haben sowohl die sozialdemokratische Javnaðarflokkurin als auch die sozialistischen Republikaner von Tjóðveldi deutlich an Stimmen verloren. Das zeigt: In dieser Wahl hat ganz klar die Wirtschaft eine wichtigere Rolle gespielt als die Frage Loslösung oder Beibehalt der Union mit Dänemark. Dafür steht beispielhaft eines der wichtigsten Wahlkampfthemen, die Forderung der Fólkaflokkurin nach einem Einheitssteuersatz.

Wer bildet die neue Regierung?
Am 14.11.2011 hat der neue und alte Premierminister Kaj Leo Johannesen von der Sambandsflokkurin sein neues Kabinett und den Koalitionsvertrag vorgestellt. Die Sambandsflokkurin koaliert in einer bürgerlichen Regierung mit den bürgerlichen Loslösungsparteien Fólkaflokkurin und Sjálvstýrisflokkurin und der christlich-konservativen Loslösungspartei, Miðflokkurin. Es ist erst die vierte bürgerliche Regierung auf den Färöer-Inseln seit 1948 nach zwei bürgerlichen Regierungen in den 1950er Jahren und einer zu Beginn der 1980er Jahre.

Ein Sieg für die Unionsparteien oder Loslösungsparteien?
Weder noch, wenn man nur die bloßen Zahlen betrachtet. Die Sambandsflokkurin, die am stärksten für den Erhalt der Union mit Dänemark eintritt, ist der klare Gewinner der Wahl. Allerdings haben die Wähler mit der Fólkaflokkurin und der erstmals angetretenen Framsókn auch zwei Parteien gestärkt, die für eine stärkere Loslösung von Dänemark eintreten. Schaut man auf die Zahl der Abgeordneten der Parteien im Parlament, die für eine stärkere Loslösung von Dänemark eintreten, nämlich Fólkaflokkurin, Sjálvstýrisflokkurin, Tjóðveldi, Framsókn und Miðflokkurin, dann haben sie weiterhin eine klare Mehrheit von 19 Sitzen (vorher: 20) im Parlament gegenüber 14 (vorher: 13) Sitzen der Parteien, die für den Erhalt der Union mit Dänemark gemäß des derzeitigen Autonomiestatuts plädieren, nämlich Sambandsflokkurin und Javnaðarflokkurin. Allerdings hat in dieser Wahl – wie bereits oben erwähnt – die nationale Frage keine Rolle gespielt. Die neue bürgerliche Regierung aus Sambandsflokkurin, Fólkaflokkurin, Sjálvstýrisflokkurin und Miðflokkurin besteht zwar zu 75% aus Parteien, die für eine stärkere Loslösung von Dänemark plädieren. Davon findet sich aber kein einziges Wort im Koalitionsvertrag. Ganz im Gegenteil: Als eines seiner ersten Werke will die Regierung bei der dänischen Regierung um mehr finanzielle Unterstützung bitten. Außerdem findet sich der in Dänemark so umstrittene Entwurf eines färöischen Grundgesetzes nicht mehr im neuen Koalitionsvertrag. Beides ist umso interessanter, als 2001 sowohl Fólkaflokkurin als auch Sjálvstýrisflokkurin und Miðflokkurin in der „Unabhängigkeitskoalition“ zusammen mit Tjóðveldi die dänische Unterstützung drastisch gesenkt haben. Alles ein Beweis für die führende Rolle der Sambandsflokkurin in dieser neuen Regierung.

Setzt sich der Absturz von Tjóðveldi fort?
Ja. Nach dem Schock der Folketingswahlen im vergangenen September 2011, bei denen Parteichef Høgni Hoydal den Wiedereinzug ins dänische Parlament knapp verpasste, verloren die Republikaner zwei Sitze und mehr als fünf Prozent der Stimmen. Zwei Erklärungen hierfür: Viele der Tjódveldi-Wähler von vor drei Jahren sind zur neugegründeten Fortschrittspartei (Framsókn) übergelaufen. Høgni Hoydal ist darüber hinaus überzeugt, dass die Unterstützung der Minderheitsregierung aus Sambandsflokkurin und Javnaðarflokkurin durch Tjóðveldi in den Monaten vor der Wahl von den Wählern nicht goutiert wurde.

„Rechtsruck“ auf den Färöern

TÓRSHAVN – Bei den Parlamentswahlen auf den Färöer-Inseln sind vor etwas mehr als zwei Wochen am 29.10.2011 die bürgerlich-konservativen Parteien als Sieger hervorgegangen. Hier das endgültige Wahlergebnis:

Färöer Wahlergebnis 2011

Damit kommen die Parteien im neugewählten Parlament auf die folgende Anzahl von Sitzen und sind durch die folgenden Abgeordneten vertreten (geordnet nach Partei und Anzahl der erzielten Stimmen):

A. Fólkaflokkurin (8 Sitze): (1) Jacob Vestergaard (1.048), (2) Elsebeth Mercedis Gunnleygsdóttur (344), (3) Jógvan á Lakjuni (341), (4) Bjarni Djurholm (328), (5) Hanus Samró (304), (6) Rodmundur Nielsen (278, Nachrücker für Annika Olsen), (7) Joen Magnus Rasmussen (255, Nachrücker für Jákup Mikkelsen), (8) Brandur Sandoy (228, Nachrücker für Jørgen Niclasen)

B. Sambandsflokkurin (8 Sitze): (1) Bárður Nielsen (872), (2) Rósa Samuelsen (480), (3) Alfred Olsen (473), (4) Helgi Abrahamsen (404), (5) Edva Jacobsen (311), (6) Eivin Jacobsen (228, Nachrückerin für Kaj Leo Johannesen) (7) Reimund Langgaard (168, Nachrücker für Björn Kalsø), (8) Jóna Mortensen (161, Nachrückerin für Johan Dahl)

C. Javnaðarflokkurin (6 Sitze): (1) Aksel V. Johannesen (1.204), (2) Kristin Michelsen (393), (3) Gerhard Lognberg (344), (4) Rigmor Dam (271), (5) Henrik Old (265), (6) Eyðgunn Samuelsen (261)

D. Sjálvstýrisflokkurin (1 Sitz): (1) Jógvan Skorheim (245, Nachrücker für Kári P. Højgaard)

E. Tjóðveldi (6 Sitze): (1) Høgni Hoydal (1.054), (2) Kristina Háfoss (451), (3) Bjørt Samuelsen (365), (4) Gunnvør Balle (358), (5) Páll á Reynatúgvu (332), (6) Sirið Stenberg (319)

F. Framsókn (2 Sitze): (1) Poul Michelsen (581), (2) Janus Rein (250)

H. Miðflokkurin (2 Sitze): (1) Jenis av Rana (434), (2) Bill Justinussen (428)

Die neue färöische Regierung

Am 14.11.2011 bildete Kaj Leo Johannesen eine neue bürgerlich-konservative ABDH-Regierung aus Sambandsflokkurin (3 Ministerposten), Fólkaflokkurin (3 Ministerposten), Sjálvstýrisflokkurin (1 Ministerposten) und Miðflokkurin (1 Ministerposten). Die Regierung setzt sich wie folgt zusammen (in Klammern Parteizugehörigkeit, Anzahl der erzielten Stimmen in der Wahl und Ministerposten):

Kaj Leo Johannesen (Sambandsflokkurin, 1.979 – Premierminister)
Annika Olsen (Fólkaflokkurin, 1.344 – Vizepremierministerin und Sozialministerin)
Jørgen Niclasen (Fólkaflokkurin, 382 – Finanzminister)
Karsten Hansen (Miðflokkurin, 416 – Gesundheitsminister)
Bjørn Kalsø (Sambandsflokkurin, 704 – Bildungsminister)
Kári P. Højgaard (Sjálvstýrisflokkurin, 317 – Innenminister)
Jákup Mikkelsen (Fólkaflokkurin, 455 – Fischereiminister)
Johan Dahl (Sambandsflokkurin, 327 – Arbeitsminister)

Melancholia – Von der Illusion eines selbstbestimmten Lebens

Lars von Trier - Melancholia (2011) - Poster

Melancholia (2011) - Der neue Film von Lars von Trier

FREIBURG, 9. Oktober 2011 – „Melancholia“ – der neue Film von Lars von Trier ist nun endlich auch in Deutschland im Kino zu sehen. Es ist ein fantastischer Film mit dem wohl ästhetischsten Weltuntergang der Kinogeschichte. Hängen geblieben sind bei mir jedoch vor allem die unterschiedlichen Reaktionen der Protagonisten auf die Katastrophe.

Vor der Katastrophe: In der modernen Gesellschaft ist der Mensch seines eigenen Glückes Schmied. Der Glaube an etwas, das sich menschlicher Kontrolle entzieht, ist zur Nebensache geworden. Klar spielt das Glück, Schicksal, Gott, wie auch immer man es bezeichnen mag, eine gewisse Rolle, aber prinzipiell ist das menschliche Schicksal nicht (gott)gegeben, sondern formbar. In der modernen Gesellschaft kontrolliert jeder Mensch sein Schicksal selbst. Problem nur, dass es Menschen gibt, denen es einfach nicht so gut gelingt, ihr Leben „in den Griff“ zu bekommen, es „in die Hand“ zu nehmen.

Justine (Kirsten Dunst) ist so ein Mensch. So sehr sie sich auch bemüht, ihrer Rolle in der Gesellschaft gerecht zu werden, kann sie es niemals verbergen, für wie sinnlos sie das Ganze hält und welche Verachtung sie für die Menschen um sie herum empfindet. Sie bemüht sich, ihren zukünftigen Ehemann zu lieben, die Rolle der glücklichen Braut einzunehmen, schlicht glücklich zu sein, wie es ihre Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg), ihr Schwager (Kiefer Sutherland) und die Gesellschaft im Allgemeinen von ihr erwarten. Aber zu mehr als einem Bemühen reicht es nicht und dieses Bemühen ist so offensichtlich, dass sie die von ihr geliebten Menschen ständig vor den Kopf stößt. Das Tragische ist, dass sie deren Erwartungen niemals gerecht werden kann, egal wie echt ihr Bemühen ist: Denn sie soll glücklich sein und sich gar nicht erst bemühen müssen.

Der Abend endet für Justine in der gesellschaftlichen Katastrophe. Sie bemüht sich, den Abend an der Seite ihres neuen Mannes zu verbringen, doch irgendetwas stößt sie andauernd von ihm fort. Sie bemüht sich, die Rolle der Braut auf dem Hochzeitsabend einzunehmen, doch ihr Lächeln ist gequält. Am Ende einer langen Hochzeitsnacht hat ihr Ehemann sie schon wieder verlassen. Sie schläft mit einem anderen Mann, verliert ihren Job und hat so ziemlich jeden möglichen gesellschaftlichen Fauxpas begangen. Ihre Schwester Claire und noch mehr ihr Schwager John befinden sich am anderen Ende des Kontinuums. Ihnen bereitet es keine Probleme, die Erwartungen der Gesellschaft an sie zu erfüllen. Sie wissen um ihren Platz im Leben.

In Erwartung der Katastrophe: Das Interessante an Melancholia ist, wie sich die Situation ändert, als sich der Planet Melancholia der Erde zu nähern beginnt. Kann es eine größere Bedrohung für ein selbstbestimmtes Leben geben als eine Situation, die sich so offensichtlich der menschlichen Kontrolle entzieht? Wenn der Planet die Erde trifft (was, wie der Zuschauer schon zu Anfang des Films weiß, passieren wird), dann wird die Annahme jeglicher menschlicher Kontrolle über das Leben als Illusion entlarvt. Menschen wie John müssen die Illusion eines selbstbestimmten Lebens jedoch bis zum Ende aufrechterhalten. Er verfolgt die Bahn des Planeten mit akribischer Genauigkeit, kennt die Berechnungen der Wissenschaftler („Der Planet wird die Erde verfehlen, zwar nur knapp, aber er wird sie verfehlen.“) und behält sich so die Illusion einer Kontrolle aufrecht. Als sich jedoch die Berechnungen der Wissenschaftler als falsch erweisen und er weiß, dass Melancholia die Erde treffen wird, gibt es für ihn nur eine mögliche Wahl: Er nimmt sich das Leben – ein letzter verzweifelter Akt, die Kontrolle über sein Leben zu bewahren.

Wie zu erwarten, hat Justine, die ihr Leben nicht selbst in die Hand nimmt (und es gar nicht zu können scheint!), sondern sich von ihren Launen, ihrer Intuition, ihrem Schicksal leiten lässt, weniger Probleme. Da sie keine Kontrolle über ihr Leben übernimmt, empfindet sie angesichts des sich nähernden Planeten auch keine Kontrolllosigkeit. Ganz im Gegenteil: Der Planet Melancholia befreit sie von der Last, Kontrolle über ihr Leben übernehmen zu müssen, so wie es die Gesellschaft von ihr verlangt. Je näher der Planet kommt und damit das Ende der Welt mit ihren gesellschaftlichen Fesseln, desto mehr entspannt sie sich, während ihre Schwester und ihr Schwager die Panik ergreift.

Melancholia zeigt, dass wir alle irgendwo auf einem Kontinuum zu finden sind, an dessen einem Ende sich diejenigen befinden, die ihr Leben selbst bestimmen können, während an dessen anderem Ende diejenigen sind, die sich leiten lassen. Die moderne Gesellschaft begünstigt definitiv die Ersteren. Was zählt sind Leistung, Eigeninitiative, Organisation. Melancholia zeigt jedoch auch, was passiert, wenn die Illusion eines selbstbestimmten Lebens als das entlarvt wird, was sie ist: eine Illusion. Dann werden genau diese Menschen heftig aus der Bahn geworfen, während die Menschen, die zweifeln, hin- und hergeworfen werden und sich nichts sehnlicher wünschen als jemanden, der ihnen zeigt, wo es langgeht, sich fallen lassen können angesichts der Macht eines Gottes, der Natur oder eben der eines Planeten.

Isländisches Parlament fördert Anti-EU-Blog mit 56.000 Euro – Uni-Institut geht leer aus

Björn Bjarnason

Björn Bjarnason, früherer Minister der Unabhängigkeits-partei, bloggt auf evropuvaktin.is...

REYKJAVÍK – Schon seit Jahren wird von den Befürwortern einer isländischen EU-Mitgliedschaft das Fehlen einer “echten” EU-Debatte in Island bemängelt, d.h. einer Debatte, in der ohne große Emotionen die Vorteile und Nachteile einer EU-Mitgliedschaft gegenübergestellt werden. Eine solche Debatte wäre gerade jetzt absolut notwendig, da Island sich seit einigen Monaten in Beitrittsverhandlungen mit der EU befindet, wo die genauen Bestandteile eines möglichen Beitrittsvertrages ausgehandelt werden.

Dementsprechend ist es mehr als sinnvoll, dass das isländische Parlament im August beschlossen hat, Zuschüsse an Stiftungen, Verbände und andere Institutionen zu vergeben, die “zu einer öffentlichen und informierten Debatte und Berichterstattung über die EU, ihre Politik und die Folge einer möglichen isländischen EU-Mitgliedschaft beitragen sollen”. Die Zuschüsse sollen für die Erstellung von Publikationsmaterial, die Organisation von Tagungen und die Einladung von EU-Experten benützt werden.

Styrmir Gunnarsson

...zusammen mit Styrmir Gunnarsson, dem früheren Chefredakteur von Morgunblaðið

Für die bereitgestellte Summe von 27.000.000 Kronen (ca. 168.000 Euro) bewarben sich insgesamt 18 Institutionen, darunter u.a. das Institut für internationale Beziehungen der Universität Islands, die Anti-EU-Blogseite Evrópuvaktin, die isländischen Bewegungen für einen EU-Beitritt (Já Ísland) und gegen einen EU-Beitritt (Heimssýn) und die Webseite Kannski.is.

Alles schön und gut bis hierhin. Nun hat aber das Bewilligungsgremium seine Entscheidung gefällt und genau drei Bewerbern einen Zuschuss bewilligt: Evrópuvaktin, Heimssýn und Ja Island. Damit werden exakt die Institutionen bezuschusst, die eine sehr klare Position für und gegen einen EU-Beitritt beziehen. Ob genau diese Institutionen am besten dazu geeignet sind, eine “informierte” Debatte über die EU ins Leben zu rufen, darf bezweifelt werden. Anstatt unterschiedliche Positionen gegenüberzustellen, tendieren sie stark dazu, die Vorteile ihres eigenen Standpunkts zu überhöhen und die Nachteile auszublenden. Ganz anders als zum Beispiel die Webseite Kannski.is, die Befürwortern und Gegnern einfach nur eine Plattform zum Meinungsaustausch ermöglicht.

Auch rein zahlentechnisch ist es fraglich, ob die Bewilligung der Zielsetzung entspricht, “die Zuschüsse so ausgeglichen wie möglich an Verbände mit unterschiedlichen Ansichten über eine isländische EU-Mitgliedschaft zu vergeben”. Mit Heimssýn und Evrópuvaktin werden zwei resolute Anti-EU-Bewegungen unterstützt, mit Já Ísland aber nur eine Pro-EU-Bewegung.

Zu einer krassen Fehlentscheidung wird die Bewilligung jedoch aufgrund der Tatsache, dass der Anti-EU-Blog Evrópuvaktin überhaupt bezuschusst wird, ein Blog, der von zwei ehemals mächtigen Personen des öffentlichen Lebens ins Leben gerufen wurde, dem früheren Minister der Unabhängigkeitspartei (Sjálfstæðisflokkurinn), Björn Bjarnason, und dem langjährigen Chefeditor des konservativen Morgenblatts (Morgunblaðið), Styrmir Gunnarsson. Auf diesem Blog wird eine wahrhaft “informierte” Debatte zur EU geführt, die Leitartikel mit dem Titel “Blitzkrieg der EU und die Schlacht um Island” hervorbringt, in denen behauptet wird, dass “die EU-Befürworter in Island darauf vertrauen, dass “die Panzer” der EU in Brüssel alles ohne jeglichen Widerstand platt machen und Island innerhalb kürzester Zeit unter sich begraben werden”, ja dass die EU-Befürworter in Island sogar “auf eine Art “Blitzkrieg” der EU in Island vertrauen würden.”

Eine solch billiger Anti-EU-Propaganda-Blog wird nun wahrscheinlich mit ca. 9.000.000 Kronen (oder 56.000 Euro) bezuschusst, während zur gleichen Zeit das Institut für Internationale Beziehungen der Universität Islands leer ausgeht, das sich den Gedanken einer fairen und nicht voreingenommenen Debatte zumindest zum Anspruch gesetzt hat, ein Institut, das Woche für Woche Experten aus dem In- und Ausland zu Wort kommen lässt und damit wirklich aktiv zu einer “informierten” Debatte über eine mögliche EU-Mitgliedschaft Islands beiträgt.

Diese Bewilligung ist ein Armutszeichen für Island.

Färöer wählen Unionsparteien ins dänische Parlament

Edmund Joensen

Edmund Joensen, wiedergewählter Abgeordneter im dänischen Folketing

Sjúrður Skaale

Sjúrður Skaale, neuer Abgeordneter im dänischen Folketing

TÓRSHAVN, 16.09.2011 – Dänemark hat gewählt und steht vor dem ersten Regierungswechsel seit 10 Jahren. Mit der Sozialdemokratin Helle Thorning-Schmidt wirdvoraussichtlich zum ersten Mal eine Frau in das Amt des Ministerpräsidenten gewählt werden. Doch nicht nur in Dänemark bedeutet die Wahl einen kleinen Zeitenwechsel, sondern auch auf den Färöer-Inseln: Denn zum ersten Mal seit 1981 stellen die färöischen Parteien, die sich für mehr Souveränität und eine stärkere Loslösung von Dänemark aussprechen, keinen der beiden färöischen Abgeordneten im dänischen Folketing.

Früher war das nichts Besonderes. Bis zu Beginn der 1970er Jahre wurde die Wahl zum dänischen Parlament von der Republikanischen Partei (Tjóðveldi) sogar ganz boykottiert. Entscheidend waren für sie nur die Wahlen zum Løgting, dem in ihren Augen einzig legitimen Parlament der Färöer-Inseln. Doch seit den 1970er Jahren identifizierten auch die Republikaner eine Vertretung im Folketing als politisches Mittel, um ihrem Wunsch für mehr färöische Selbständigkeit von Dänemark größeres Gehör zu verleihen. Seit 2001 organisierten sie sich zusammen mit den Abgeordneten der Selbständigkeitsparteien Grönlands in der Nordatlantischen Gruppe.

Diese muss nun einen schweren Schlag hinnehmen, da Høgni Hoydal, ihr Sprecher und Gründer sowie Parteivorsitzender der Republikaner, nach zehn Jahren nicht mehr wiedergewählt wurde. Die Republikaner verloren im Vergleich zur Wahl von 2007 6,0% und fielen damit hinter die Sozialdemokratische Partei (Javnaðarflokkurin) zurück, deren Kandidat Sjúrður Skaale den zweiten färöischen Sitz im dänischen Parlament ergatterte. Edmund Joensen, bisheriger Folketing-Abgeordneter der Unionspartei (Sambandsflokkurin), konnte seinen Sitz hingegen mit großem Vorsprung verteidigen, während die andere große Selbständigkeitspartei der Färöer-Inseln, die Volkspartei (Fólkaflokkurin), nur noch viertstärkste Kraft wurde und damit auch keinen Sitz erringen konnte.

Partei

Wahl 2011 (#)

Wahl 2011 (%)

Diff. zu 2007 (%)

A. Volkspartei (Fólkaflokkurin)

3.932

19,0

-1,5

B. Unionspartei (Sambandsflokkurin)

6.361

30,8

+7,3

C. Sozialdemokratische Partei (Javnaðarflokkurin)

4.328

21,0

+0,6

D. Selbständigkeitspartei (Sjálvstýrisflokkurin)

481

2,3

-1,2

E. Republikanische Partei (Tjóðveldi)

3.998

19,4

-6,0

H. Zentrumspartei (Miðflokkurin)

872

4,2

-2,6

X. Unabhängige Liste

672

3,3

+3,3

Haben die Selbständigkeitsparteien damit zum ersten Mal seit 1981 kein Sprachrohr mehr im dänischen Parlament?
Formal gesehen ja, weil mit Edmund Joensen und Sjúrður Skaale nun die Vertreter der Unionspartei und der Sozialdemokratischen Partei die färöischen Interessen im dänischen Parlament vertreten werden. Beide Parteien plädieren für den Erhalt der Union mit Dänemark und die Beibehaltung des seit 1948 gültigen Autonomiestatuts. Allerdings ist die Frage nicht abschließend zu beantworten, da Skaale noch bis Mai 2011 Mitglied der Republikanischen Partei und damit Befürworter einer Loslösung von Dänemark war. Wegen eines Zerwürfnisses mit Parteichef Hoydal verließ er die Partei und wurde im August 2011 zur Überraschung vieler von der Sozialdemokratischen Partei zu deren Kandidaten für die Wahl zum dänischen Parlament bestimmt.

Steckt mit Skaale ein Unabhängigkeitsbefürworter in Unionskleidern?
Fakt ist, dass weder Skaale seine Ansichten um 180 Grad gedreht hat, noch dass die Sozialdemokratische Partei auf einmal eine Selbständigkeitspartei geworden ist. Vieles spricht für eine pragmatische und offenbar erfolgreiche Wahlallianz, die Skaale und die Partei miteinander eingegangen sind. Die Sozialdemokratische Partei versteht sich weiterhin als eine die Union zu Dänemark befürwortende Partei, bietet aber gleichzeitig Personen mit sozialdemokratischen Überzeugungen Raum, die einen moderaten Unabhängigkeitskurs vertreten. Wie die Wahlen zeigen, hat dieser Kurs der Glaubwürdigkeit der Sozialdemokratischen Partei nicht geschadet.

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